Die RCN als Einstiegsmöglichkeit in den Motorsport

AVIA racing ist seit Jahren in der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) engagiert. Bis zum Jahr 2019 war die Serie als VLN Langstreckenmeisterschaft bekannt und wird umgangssprachlich weiterhin so bezeichnet. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ihre Wurzeln jedoch in der RCN Rundstrecken Challenge Nürburgring.


Das Format der RCN unterscheidet sich etwas von dem eines klassischen Langstreckenrennen, bei dem es darauf ankommt durch schnelle Runden an die Spitze der Klasse und des Feldes zu kommen und als Erster die Ziellinie zu überqueren. Gemeinsam ist den Serien, dass sie auf der Nürburgring Nordschleife ausgetragen werden, die legendäre 1927 erbaute Rennstrecke in der Eifel stellt höchste Ansprüche an die Fahrer und deren Fahrzeuge.

Mit der Unterstützung von AVIA nimmt das EiFelkind Racing Team von Uwe Wendland erfolgreich an der RCN teil und bildet Nachwuchstalente am Lenkrad aus. 2020 waren es drei Autos, die den Wettkampf wagten, zwei Opel Astra 2.0 GSI 16V für die „Junioren“ und ein BMW E36 318is. In den Astras teilten sich die Piloten Kevin Wambach (27) und Noel Dohr (21) das Cockpit der #95 und in der #559 wechselten sich Max Mai (27) mit Philipp Romboy (23) am Steuer ab. Den BMW mit der #59 pilotierte Martin Lübcke als Stammpilot mit wechselnder Unterstützung bei den Läufen.

Die Saison 2020 mit allen Ausnahmesituationen bedingt durch die Corona-Pandemie ging auch am EiFelkind nicht spurlos vorbei. Grund genug, um sich mit dem Teamchef, Uwe Wendland aus Nordhorn, an eine Saisonbilanz zu wagen.

AVIA: Uwe, der finale Lauf der RCN wurde, nachdem das Hygienekonzept des Veranstalters durch die verantwortliche Gesundheitsbehörde des Landkreis Ahrweiler kurzfristig nicht genehmigt wurde, abgesagt. Damit ist die Saison vorzeitig beendet, wie habt ihr abgeschnitten?

Uwe Wendland: Sehr zufriedenstellend! Der Astra mit der #95 wurde Meister in der Klasse „F2“ sowie auch Meister in der Gruppenwertung. Die F-Klasse ist für straßenzulassungsfähige Autos bis 2,0 Liter Hubraum – also noch sehr nahe an der Serie – aber mit allen sicherheitsrelevanten Umbauten. Ich möchte hier betonen, dass wir den Meistertitel nicht am Grünen Tisch durch die Absage bekommen haben, wir waren schon zuvor nahezu uneinholbar in der Punktewertung vorne.

Der zweite Astra mit der #559 trat in der Gruppe H an, in der Klasse sind Gegner mit bis zu 100 PS mehr Leistung und immer bis zu 20 Teilnehmern pro Rennen. Leistungsmäßig sind wir da eher im hinteren Drittel doch erfolgsmäßig stehen wir jetzt am Ende deutlich im vorderen Drittel – Rang sechs oder sieben. Die Bestätigung der endgültigen Platzierungen durch den Veranstalter steht noch aus, das betrifft auch den BMW in der Klasse V2, wir werden wohl den dritten Platz belegen.

AVIA: Die Rundstrecken Challenge Nürburgring unterscheidet sich im Reglement von der NLS. Worin genau? Und was macht den Reiz an der oft unterschätzten Serie aus?

Uwe Wendland: Zuerst unterscheidet sich das Streckenlayout. Während die Nürburgring Langstrecken-Serie die Kombination aus der Sprintvariante des Grand-Prix-Kurs mit der Nordschleife nutzt, das sind 24,3 km, fahren wir bei der RCN nur auf den legendären 20,832 km langen Nordschleife.

Der nächste Unterschied besteht, einfach erklärt darin, dass der erste Fahrer im Rennen auch eine Setz-Zeit vorgibt und der zweite Fahrer dann möglichst eine identische Bestätigungsrunde fährt, dabei kommt es nicht auf Höchstgeschwindigkeit oder „Rekordrundenzeiten“ an. Diese wird in die Punktevergabe aufgenommen. Hierdurch wird ein wenig Stress von den Fahrern genommen immer am Anschlag zu fahren und sich auf eine Konstanz einzuschießen, die das Renngeschehen entzerrt. So lernen die Fahrer auch als Team zu harmonieren, sich zu ergänzen und konstante Leistungen zu bringen, die besonders im Langstrecken-Rennsport wichtig sind.

AVIA: Der Motorsport musste sich in diesem Jahr an einige Änderungen gewöhnen. Was unterschied sich im RCN Rennen 2020 zu den sonst üblichen Regeln und Abläufen?

Uwe Wendland: In „normalen“ Jahren starten alle Klassen verteilt auf zwei Startgruppen für 15 Rennrunden. Um die Personenanzahl in der Boxengasse zu reduzieren damit die Abstands- und Hygienevorschriften eingehalten werden können, wurde das 2020 aufgeteilt und die Rundenzahl verringert. Vormittags startete der erste Teil mit den „kleineren“ Klassen für 13 Rennrunden, am Nachmittag traten dann die größeren Rennfahrzeuge für ebenfalls 13 Runden gegeneinander an. Dadurch waren weniger Leute im Fahrerlager, allerdings um den Zeitrahmen für einen ganzen Tag einzuhalten waren weniger Runden möglich.

Da wir in beiden Gruppen angetreten sind, war der Tag für uns natürlich entsprechend deutlich länger, auch für die Sportwarte rund um die Nordschleife waren es mehr Stunden Dienstzeit auf den Posten. Den Damen und Herren möchte ich an dieser Stelle auch meinen großen Dank für ihre ehrenamtliche Arbeit aussprechen!

AVIA: Stichwort Nachwuchsförderung im Rennsport: Wie sieht die Ausbildung zum Piloten aus und welche Vorteile bietet die RCN, eine Karriere auf der Nordschleife zu aufzubauen?

Uwe Wendland: Also fahren können müssen die Jungs schon vorher. Die Anfänge liegen da bei den Piloten unterschiedlich, meistens kommen sie aus dem Kartsport oder sie sind im SimRacing oder auch bei Bergrennen sehr aktiv gewesen. Max Mai zum Beispiel hat in diesem Jahr weit mehr als 200 Runden auf der Nordschleife bei den Touristenfahrten abgespult, um die Strecke intensiv zu lernen. Andere üben stundenlang im Simulator als Vorbereitung. So hat jeder seine unterschiedliche Herangehensweise.

Wir müssen immer bedenken, dass die Nordschleife nicht umsonst den Namen „Grüne Hölle“ trägt und wohl die schwerste Rennstrecke der Welt ist. Ein Pilot muss nicht nur jede Kurve lernen. Es kommen Kuppen und Senken sowie wechselnde Asphaltbeläge dazu die du dir einprägen musst.

Dann kommen wir ins Spiel: Bei uns lernen die Piloten die Teamfähigkeit. Der Austausch der Erfahrungen, das Helfen in der Box – richtig mit anpacken. Ein gemeinsames Setup für das Auto finden und vieles mehr. Die Kommunikation untereinander und mit den Mechanikern ist unglaublich wichtig für den späteren Erfolg - besonders in der Langstrecke. Da gibt es keine „One Man Show“. Jedes Rennen wird im Nachgang per Videoanalyse besprochen, um Fehler zu erkennen und aufzuarbeiten. Weiterhin geht es für die Piloten auch darum ihr Permit für die Nordschleife zu bekommen, dies ist zwingend vorgeschrieben, um dann NLS Rennen zu fahren.

AVIA: Da gab es ja auch schon einen besonders erfolgreiches Nachwuchstalent der sich bei dir die ersten Sporen für die Nordschleife verdient hatte. Wer war das?

Uwe Wendland: (lacht) Ja, das ist vielleicht übertrieben. Aber Larry ten Voorde fuhr 2016 bei uns sein erstes RCN Rennen. Er ist in diesem Jahr der Überflieger im Porsche Mobil 1 Supercup und zählt sicher zu den Piloten, die noch eine große Karriere im Motorsport vor sich haben. Für kommendes Jahr möchte Larry sein Permit auffrischen und überlegt, ob er dies bei uns machen wird.

AVIA: Kommendes Jahr ist unsere Überleitung zur letzten Frage: Die gesamte Situation weltweit ist aktuell sehr dynamisch. Wagst Du einen Ausblick auf die Zukunft des Motorsports für 2021 und wie sehen die Pläne für das Team EiFelkind aus?

Uwe Wendland: Also für den Motorsport weltweit oder in Deutschland selbst wage ich keinen Blick in die Zukunft, das wäre Kaffeesatzleserei und nicht meine Art. Sicher ist, dass es für keinen leichter wird durch die Corona-Pandemie. Die Teampläne sind weiterhin die Einsätze in der RCN und, wenn wir ein passendes Auto finden, auch der Einstieg in die Nürburgring Langstrecken-Serie in einer noch günstigen Klasse mit vielen Gegnern. Das wäre dann die Weiterführung unseres Plans der Nachwuchsförderung, vom Kart über die RCN dann in die NLS – aber das hängt wie so oft auch von der Finanzierung solcher Projekte zusammen.

Ansonsten lassen wir das noch auf uns zukommen. Die Absage des RCN-Finales und von drei NLS-Rennen aktuell zeigt, dass wir im Motorsport noch komplett auf Sicht fahren. Letztendlich bin ich glücklich, dass wir 2020 mit sechs Läufen doch eine sehr erfolgreiche Saison mit dem Meistertitel hatten. Dies wäre ohne die Unterstützung von AVIA auch nicht realisierbar gewesen. Dafür sind wir sehr dankbar!

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News: 24H Nürburg & VLN
Deutsche AVIA Mineralöl-GmbH