AVIA-Skisprungexperte Gerd Siegmund verrät: Warum Karl Geiger die Tournee gewinnt

Halbzeit bei der Vierschanzentournee. Vorjahrestriumphator Ryoyu Kobayashi führt den Schanzen-Grand-Slam nach seinem Sieg in Oberstdorf und Rang vier in Garmisch-Partenkirchen an. Doch Karl Geiger liegt mit 6,3 Punkten dahinter in Lauerposition. AVIA-Skisprungexperte Gerd Siegmund sieht den Allgäuer nach dem Finale in Bischofshofen auf dem Treppchen ganz oben.


AVIA: Hallo Gerd, von Deinen vier Topfavoriten liegen zwei bei Halbzeit ganz vorn. Damit hast Du Dich bestimmt für eine weitere Tätigkeit als AVIA-Skisprungexperte empfohlen…

Gerd Siegmund: Danke, zumal es noch einen Länderpunkt für den aktuell drittplatzierten Dawid Kubacki gibt. Ich hatte zwar Kamil Stoch neben Stefan Kraft noch mit im Favoritenkreis, aber mit Polen lag ich ja schon mal richtig.

AVIA: Alles deutet auf einen deutsch-japanischen Zweikampf um den Tourneesieg hin. Siehst Du es auch so?

Gerd Siegmund: Da lehne ich mich mal aus dem Fenster heraus und sage, dass Karl Geiger die Tournee gewinnen wird. Das hat einen Grund: Und zwar meine ich, dass er den weniger anfälligen Sprungstil verkörpert. Bei Ryoyu kann schon mal ein Sprung bei schwierigen Verhältnissen misslingen. Beim Neujahrsspringen haben es beide im ersten Durchgang gemeistert. Aber bei Kobayashi ist die Gratwanderung durch die aggressivere Sprungtechnik ein bisschen mehr gegeben als bei Geiger. Zudem hat Rang zwei für ihn zum Auftakt daheim in Oberstdorf bestimmt wie eine Befreiung gewirkt.

AVIA: Marius Lindvik besitzt knapp 20 Zähler Rückstand. Siehst Du ihn nicht mehr in der Lage, ganz vorn anzugreifen?

Gerd Siegmund: Da müssen die drei vor ihm schon extrem patzen. Aber möglich ist es schon. Klar stürmt nach seinem ersten Weltcupsieg auch bisschen was auf ihn ein. Aber Norwegen ist auch weit weg vom Tourneerummel, und er hat mit Alexander Stöckl einen erfahrenen Trainer. Das wird er mental verkraften, zumal das Tagesgeschäft bei der Tournee nicht viel Zeit zum Nachdenken bietet. Lindvik ist sicher ein Mann für die Zukunft, von dem noch einiges zu erwarten ist.

AVIA: Macht er etwas besonders gut?

Gerd Siegmund: Er springt kompromisslos vorn raus, ist zeitig in der idealen Fluglage. Und wenn deine Technik erfolgreich ist, dann wächst natürlich das Selbstvertrauen.

AVIA: Apropos, wie hast Du die Auftritte von Martin Hamann bei der Tournee erlebt?

Gerd Siegmund: Es ist ein bisschen schade, er war zweimal nah dran am Finaldurchgang. Aber er hat sich beachtlich geschlagen und wird neue Chancen bekommen, wenn er so weitermacht. Da bin ich zuversichtlich.

AVIA: Es hat den Anschein, dass die deutschen Springer auch materialtechnisch besser als in den ersten Saisonweltcups ausgestattet sind. Wie ist Deine Meinung?

Gerd Siegmund: Ganz klares Ja. Ich weiß es aus erster Hand, dass die Deutschen – auch als es nicht optimal lief - bis zur Tournee gewartet haben, und dann neue Anzüge mit neuen Stoffen ausgepackt haben. Das macht sich nun bezahlt. Wir sind im Material definitiv ganz vorn dabei.

AVIA: Bei Richard Freitag hat das nichts genutzt. Wohin hat es ihn zum Training auf die kleine Schanze verschlagen?

Gerd Siegmund: Zuerst einmal finde ich die Entscheidung richtig, ihn aus der Tournee herauszunehmen. Er hat  schon so viel gewonnen, ist Team-Weltmeister, achtmaliger Weltcupsieger und Gesamtweltcupzweiter. So einen Mann muss man nicht auf die Schlachtbank legen. Er ist jetzt daheim in Oberwiesenthal, soll aber erst einmal Abstand von den Schanzen gewinnen. Ich weiß, dass er jüngst am Fichtelberg auf Langlaufbrettern unterwegs war.  

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