Das AVIA racing team blickt in der Saison 2026 auf eine bewegte und prägende Phase seiner Geschichte zurück. Seit der Gründung vor über 10 Jahren hat sich das Team zu einer festen Größe im Amateurstraßenradsport entwickelt – getragen von einer starken Gemeinschaft und dem Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher. In diesem Jahr stand ein Generationenwechsel an: Mehrere Gründungsmitglieder – Joshua Dohmen, Max Göke, Fynn Brestel, David Figuera und Philip Lentz – haben sich aus dem aktiven Rennbetrieb verabschiedet. Sie bleiben jedoch der Radsportgemeinschaft Mittelrhein, der Trägerorganisation des Teams, weiterhin eng verbunden.
Mit insgesamt 11 Männern und 6 Frauen ist das Team in die Saison 2026 gestartet – mit dem großen Highlight Rad am Ring auf der legendären Nordschleife. Wir haben uns mit den Verantwortlichen zum Interview getroffen und blicken zurück auf das, was das Team in den letzten Jahren bewegt hat und auf das, was in den kommenden Jahren auf das Team wartet. Das Team könnt ihr hier kennenlernen.
AVIA: Joshua, du warst von Anfang an Teil des Rennteams und bleibst der Community als Vereinsvorsitzender der RG Mittelrhein erhalten. Wie fühlt sich dieser Übergang an?
Joshua: Es fühlt sich sehr gut an; vor allem, weil wir den Generationenwechsel so reibungslos hinbekommen haben. Dass viele neue, junge Fahrer in das Team gekommen sind, ist entscheidend für unseren Fortbestand, denn wir zählen mittlerweile zu einer der beständigsten Renngemeinschaften in Deutschland. Ich bin stolz auf das, was wir aufgebaut haben. Aber eigentlich ist das Schönste daran zu sehen, dass das Team auch ohne mich als Fahrer funktioniert und für die Zukunft so stark aufgestellt ist.
AVIA: Viele der Gründungsmitglieder verlassen das aktive Team, bleiben aber im Verein. Was bedeutet dir diese Kontinuität?
Joshua: Das Rennteam wird organisatorisch durch unseren Trägerverein verwaltet. Es ist ein riesiger Vorteil, dass so viele Gründungsmitglieder über diese Struktur im Hintergrund aktiv bleiben. In einem Rennteam gibt es immer viel zu tun und so verteilen sich die administrativen Aufgaben auf viele Schultern. Außerdem drückt das für mich eine enorme Zugehörigkeit aus: Man hört nicht einfach auf, sondern wechselt nur die Rolle, um den Jüngeren den Rücken freizuhalten.
AVIA: Wenn du auf die Anfangsjahre zurückblickst – was hat das Team damals ausgemacht, und was davon siehst du heute noch?
Joshua: Für uns war es immer wichtig, Radsport auf einem vernünftigen, ambitionierten Niveau zu betreiben, aber wohlwissend, dass wir kein Profi-Team sind. Die meisten Fahrer gehen ganz normalen Jobs nach, studieren oder machen eine Ausbildung. Es ging von Anfang an darum, diese Dinge miteinander in Einklang zu bringen. Wenn mal ein Fahrer eine wichtige Prüfung hat oder im Sommerurlaub nicht auf dem Rad sitzen kann, dann bringt das bei uns niemanden aus der Ruhe. Dieser gesunde Realismus und der Zusammenhalt, auch abseits der Rennstrecke, machen den Spirit des Teams aus – damals wie heute.
AVIA: Florian, du führst das Männerrennteam seit mehreren Jahren gemeinsam mit Nils. Wie erlebst du den aktuellen Generationenwechsel?
Florian: Der Generationenwechsel ist für mich ein unglaublich spannender Prozess. Wir haben in den vergangenen Jahren eine Mannschaft aufgebaut, die stark von Erfahrung, Routine und gewachsenen Beziehungen geprägt war. Jetzt rücken junge Fahrer nach, die mit einer großen Energie und Offenheit ins Team kommen. Die Mischung aus Erfahrung und frischem Elan tut dem Team gut. Man spürt, dass sich schon jetzt eine neue Dynamik entwickelt hat.
AVIA: Mit Kilian Freienstein kommt ein neuer Partner in die Teamleitung. Was zeichnet eure Zusammenarbeit aus?
Florian: Kilian bringt eine beeindruckende Mischung aus sportlicher Kompetenz, strategischem Denken und menschlicher Ruhe mit. Unsere Zusammenarbeit lebt davon, dass wir uns fachlich ergänzen und uns persönlich auf Augenhöhe begegnen. Wir diskutieren offen, treffen Entscheidungen gemeinsam und haben ein sehr ähnliches Verständnis davon, wie ein modernes Amateurteam funktionieren sollte: klar strukturiert, nahbar, leistungsorientiert, aber immer mit Fokus auf die Menschen. Diese gemeinsame Haltung macht uns als Leitungsteam stark.
AVIA: Rad am Ring ist erneut das große Highlight. Was bedeutet dieses Event für das Team?
Florian: Rad am Ring ist für uns weit mehr als ein Rennen. Es ist ein emotionaler Fixpunkt der Saison, ein Ort, an dem Teamgeist, Leidenschaft und unsere Identifikation mit AVIA besonders sichtbar werden: hier hat vor über einem Jahrzehnt alles angefangen, über Rad am Ring haben wir uns zu der Mannschaft entwickelt, die wir heute sind. Die Atmosphäre am Nürburgring, die Nähe zwischen den Sportlern, die langen Stunden im Fahrerlager – all das schweißt uns zusammen. Für die Fahrer ist es ein sportlicher Höhepunkt, für das gesamte Team ein Erlebnis, das uns jedes Jahr aufs Neue motiviert und verbindet. Rad am Ring zeigt, wofür wir stehen: Gemeinschaft, Einsatz und die Freude am Radsport.
AVIA: Kilian, du trittst in die Teamleitung ein und ersetzt Nils Dillmann. Was hat dich motiviert, diese Rolle zu übernehmen?
Kilian: Ich bin jemand, der sich gern einbringt, Ideen teilt und Dinge mitgestaltet. Der entscheidende Antrieb kam aber ganz klar aus der Community des Teams. Schon bei meinem ersten Einsatz als Gastfahrer hatte ich das Gefühl: Hier läuft vieles richtig. Diese besondere Atmosphäre und den Teamgeist möchte ich aktiv unterstützen und dabei helfen, den Spirit auch in Zeiten des Wandels zu bewahren.
AVIA: Wie möchtest du das Team gemeinsam mit Florian weiterentwickeln?
Kilian: Sportlich wollen wir an die erfolgreichen letzten Jahre anknüpfen und wieder regelmäßig auf den Podien in NRW, der Pfalz und darüber hinaus vertreten sein. Das haben wir schon jetzt geschafft. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Ausbau des Elite-Bereichs und „Rad am Ring", dort wollen wir erneut um die vordersten Plätze mitfahren. Abseits des Sports geht es uns darum, den starken Zusammenhalt im Team weiter zu pflegen. Die ersten gemeinsamen Treffen haben gezeigt, dass die Mischung der unterschiedlichen Charaktere und Leistungsniveaus sehr gut funktioniert und wir uns auf eine Menge Spaß einstellen können.
AVIA: Du kennst das Team bereits aus der sportlichen Perspektive. Was nimmst du aus dieser Erfahrung mit in die Führungsarbeit?
Kilian: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hart der Amateursport sein kann und welche Opfer viele Athleten bringen, um am Renntag konkurrenzfähig zu sein. Mir ist deshalb wichtig zu vermitteln, dass ein schlechter Tag dazugehört – und dass man sich davon nicht entmutigen lassen sollte. Mit einem freien, entspannten Kopf kommt der Spaß zurück, und daraus entstehen oft ganz automatisch die Erfolge. Gerade unsere jungen Fahrer sollen spüren, dass sie einen starken Rückhalt haben, um sich voll auf das Wesentliche konzentrieren zu können.
AVIA: Nils, du verlässt die Teamleitung, bleibst in der Community aber weiterhin für das Material verantwortlich. Kannst Du uns schon einen Ausblick auf die kommende Saison geben: Wer unterstützt Euch und wie sehen Eure Räder aus?
Nils: Sehr richtig. Als M. Schulte Söhne in Linz am Rhein unterstützen wir schon seit über 20 Jahren verschiedene Rennteams in unterschiedlichen Disziplinen. Daher sind wir froh, weiterhin als Fahrradgeschäft die Schnittstelle zu den Sponsoren zu sein. Uns ist eine sportliche Ausrichtung wichtig und wir freuen uns so den Kontakt zum Sport zu halten. Wir können so einfach besser am Zeitgeist bleiben. Durch die belgische Marke Thompson können wir ein Rad im individuellen Teamdesign anbieten. Mit Scope als Laufradhersteller können wir das Rad noch schneller für die Rundstrecke optimieren.
AVIA: Marius, du verantwortest als Sportlicher Leiter die Rennplanung der Männer. Was erwartet das Team 2026 sportlich?
Marius: In neuer Zusammensetzung geht es darum, den Teamgeist aufrechtzuerhalten und sportliche Erfolge einzufahren. Durch ausnahmslos alle neuen Fahrer sind wir da sehr breit aufgestellt und konnten regional schon richtige Highlights setzen.
AVIA: Wie gestaltet man eine Saisonplanung für ein so großes Team mit unterschiedlichen Stärken und Zielen?
Marius: Im Winter setzt sich die Teamleitung zusammen und gestaltet den Kalender gemeinsam passend zu den verschiedenen Stärken und Zielen. Jeden Monat gibt es ein ausgewähltes Teamevent und der Rest des Kalenders ist flexibel. Die Elitefahrer und Amateurfahrer gehen bei anspruchsvollen Rundstreckenrennen oder Kriterien an den Start und schließen sich dabei regional zusammen. Mit diesem Plan verfolgen wir mehrere Ziele: Unterstützung für lokale Vereine durch größere Startfelder, gemeinsamer sportlicher Erfolg und den Aufbau von Teamtiefe. Regelmäßige Trainingscamps und Leistungsanalysen stimmen alles ab, und Familie, berufliche Verpflichtungen oder Prüfungen werden natürlich individuell eingepasst, wie es im Amateurradsport üblich ist.
AVIA: Welche Rolle spielt Rad am Ring aus sportlicher Sicht – und wie bereitet man ein Team auf ein solches Ausdauermonument vor?
Marius: Das Rennen auf der Nordschleife ist unser sportliches Highlight und schweißt das Team zusammen. Die Vorbereitung beginnt früh mit Ausdauertraining in der Eifel, im Trainingslager oder dem jeweiligen Wohnort der Fahrer. Simulation der Distanzen von 25 bis 150 km und taktischen Workshops für Gruppenfahren, aber auch die Amateurrennen sind ideale Vorbereitungsmöglichkeiten dafür.
AVIA: Kim, Anne – ihr führt das Frauenteam seit einiger Zeit sehr erfolgreich. Wie blickt ihr auf die Saison 2026 mit sechs Fahrerinnen?
Kim: Für dieses Jahr waren wir sehr gespannt und motiviert, da wir auch einige neue junge Fahrerinnen dabei haben und uns als Team neu aufgestellt haben. Unser Ziel für die Saison 2026 bleibt es, die positive Entwicklung der letzten Jahre fortzusetzen, als Team weiter zusammenzuwachsen und bei den Rennen vorne mitzufahren.
AVIA: Welche Schwerpunkte setzt ihr in der Entwicklung des Teams – sportlich, aber auch menschlich?
Anne: Uns geht es in erster Linie darum, ein starkes Team zu entwickeln, dass sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam Spaß am Rennen fahren hat. In der Saison 2026 starten wir mit einigen jungen Fahrerinnen, die ihre erste Saison in einem Rennteam fahren. Darauf wollen wir die Fahrerinnen gut vorbereiten und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und ihre Stärken zu finden. Wir wollen möglichst viele Rennen gemeinsam fahren und versuchen ein Team Training ins Leben zu rufen, um den Zusammenhalt im Team noch weiter zu stärken.
AVIA: Wie wichtig ist es, dass das Frauen- und Männerteam eng zusammenarbeiten und gemeinsame Events wie Rad am Ring erleben?
Kim & Anne: Gemeinsame Events wie Rad am Ring sorgen dafür, dass man sich gegenseitig unterstützt und anfeuert, wenn man sich bei diesen Rennen und anderen Rennen trifft. Dort lernt man die anderen Fahrer kennen und kann diese beim lokalen Kriterium anfeuern. Das gibt immer eine Extraportion Motivation, wenn man beim Rennen angefeuert wird. Außerdem kann man viel von den jeweils anderen Team-Mitgliedern lernen. Gerade im Männerteam sind viele erfahrene Fahrer dabei, die den ein oder anderen Tipp auf Lager haben.
AVIA: Was wünscht ihr euch persönlich für das AVIA racing team im Jahr 2026 – sportlich, menschlich und gemeinschaftlich?
Abschlussfrage an alle:
Florian: Für 2026 wünsche ich mir, dass wir sportlich den nächsten Schritt machen, ohne unsere Identität zu verlieren. Wir haben eine starke Basis, und ich sehe großes Potenzial darin, unsere jungen Fahrer weiterzuentwickeln und gleichzeitig unsere erfahrenen Athleten als stabile Säulen einzubinden. Gemeinschaftlich wünsche ich mir, dass wir die besonderen Momente, die uns als AVIA racing team ausmachen, bewusst pflegen. Ob bei Rad am Ring, im Trainingslager oder an einem ganz normalen Renntag: Diese Erlebnisse verbinden uns und machen aus einer Mannschaft eine Gemeinschaft.
Joshua: Sportlich wünsche ich mir vor allem eine sturzfreie Saison und dass wir bei den Rennen vorne präsent sind. Menschlich und gemeinschaftlich ist mein größter Wunsch, dass die neuen jungen Fahrer schnell zu einer echten Einheit zusammenwachsen und genau den Spaß und Zusammenhalt erleben, der das Team seit Jahren so einzigartig macht.
Anne: Die Rennsaison 2026 wird viele Änderungen mit sich bringen und ich wünsche mir, dass wir in der Saison ebenso viel Spaß und Erfolg wie in den anderen Saisons haben werden und unsere Stärken noch besser nutzen können dank der Änderungen und so zu einem noch erfolgreicheren Radteam werden.
Kim: Wir wünschen uns für 2026 vor allem, dass wir als Team viel Spaß haben und die gemeinsame Zeit genießen können. Sportlich möchten wir zusammen weiter wachsen und natürlich auch den einen oder anderen Sieg einfahren. Mindestens genauso wichtig ist uns aber der menschliche Aspekt: ein starkes Miteinander, gegenseitiges Vertrauen und ein Teamgeist, bei dem jede sich wohlfühlt und ihr Bestes geben kann. Wenn wir das alles vereinen, wird 2026 für das AVIA racing team ein sehr gutes Jahr.
AVIA: Vielen Dank für Eure Zeit!