Nach Disqualifikation: Kommen jetzt Sperren im Skispringen?

Warum AVIA-Skisprungexperte Gerd Siegmund dem Weltskiverband FIS diese drastische Maßnahme empfiehlt, verrät er im Interview mit uns.


AVIA:  Gerd, zunächst mal zum positiven Teil nach dem Doppelsieg von Karl Geiger in Predazzo: Ist es noch zu früh, um über den Gesamtweltcup zu sprechen?

Gerd Siegmund: Nein. Er hat jetzt das Gelbe Trikot. Das sollte ihn noch  selbstbewusster machen. Karl konnte seine Ambitionen in Predazzo eindrucksvoll untermauern. Es kam nicht überraschend, dass er auf der kleinen Schanze ausgezeichnet zurechtkommt. Aber wie cool er das durchgezogen hat, war sicher sehr beeindruckend.

AVIA: Die Anlaufverkürzung nach Zyla am zweiten Tag wurde bei der Fernsehübertragung kritisiert. Wie hast Du es wahrgenommen?

Gerd Siegmund: Im Endeffekt hat die Rennleitung alles richtig gemacht. Karl war im ersten Sprung bei 107,0 Meter weit unten im Radius gelandet, sodass er keinen Telemark mehr setzen konnte. Und wenn Zyla an die Hillsize herankommt, muss verkürzt werden. Aber klar ist auch, wenn der Wind nicht mitspielt und Karl Geiger kommt nur auf 98 Meter, gibt es danach Diskussionen.

AVIA: Trotz Verlegung auf die Normalschanze gab es – auch ohne deutsche Brille betrachtet – hochkarätige Springen im Fleimstal.

Gerd Siegmund: Auf jeden Fall. Und das war in der Vergangenheit auch schon so. Auf der kleinen Anlage geht es meist enger zu als auf der Großschanze. Man kann schnell mal fünf, sechs Plätze aufholen. 

AVIA: Und es kann wegen nicht regelkonformen Anzügen genauso Disqualifikationen geben. Beim Tournee-Gesamtzweiten Marius Lindvik ist es schon das zweite Mal in diesem Winter passiert. Was sagst Du dazu?

Gerd Siegmund: Ich bekomme da wirklich langsam einen Hals. Dass alle Springer versuchen, ans Limit zu gehen, leuchtet ja ein. Aber wenn es in so kurzer Zeit wiederholt passiert, habe ich kein Verständnis mehr dafür. Ich halte viel von Alexander Stöckl. Aber da sollte Norwegens Cheftrainer einmal in seinem Laden aufräumen. Solche Dinge schaden der Sportart.

AVIA: Könnte der Weltskiverband FIS etwas dagegen unternehmen?

Gerd Siegmund: Die FIS sollte darüber nachdenken, ab kommender Sommersaison Sperren bei solchen Vorfällen zu verhängen. Ich kann mir vorstellen, dass zum Beispiel eine Sperre über einen Monat empfindlich schmerzt. Da sind rund acht Weltcupspringen futsch. Das überlegt sich jeder.

AVIA: Ein Wort zu Martin Hamann.

Gerd Siegmund: Schade. Martin konnte an beiden Tagen seine guten Sprünge aus der Probe und in der Qualifikation nicht in den Wettkampf bringen. Ich denke, dass er nun weiter in Klingenthal im COC springen wird. Das hängt aber davon ab, wie schwer die Verletzung von Markus Eisenbichler ist und wie Severin Freund und Richard Freitag diese Woche in Predazzo beim Training zurechtkommen.

AVIA: Im Weltcup geht es in Titisee-Neustadt weiter. Dort wohnt Bundestrainer Stefan Horngacher. Da kann also nichts schiefgehen, oder?

Gerd Siegmund: Warum? Nur weil der Cheftrainer die besten Kneipen vor Ort kennt, fliegen seine Adler bestimmt nicht weiter. Aber Spaß beiseite: Die mannschaftliche Geschlossenheit war am Sonnabend in Predazzo wahnsinnig gut. Stephan Leyhe, Constantin Schmid und Pius Paschke haben ihr Vermögen fast zu hundert Prozent abgerufen. Und Karl Geiger springt derzeit extrem stabil.

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Martin Hamann